Autokauf 2018: Leasing oder Finanzierung?

Ein Auto hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 12 Jahren. Viele Haushalte trennen sich schon eher von ihrer „Familienkutsche“. Auch Firmen tauschen ihren Fuhrpark im Regelfall deutlich schneller aus. Kein Wunder also, dass die Zahl der Kraftfahrzeuge in Deutschland zunimmt. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) führt Buch über Bestand und Neuzulassungen. Das Ergebnis: Zum 01. Januar 2018 waren in Deutschland mehr als 63 Millionen Kfz zugelassen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl der Fahrzeuge damit um circa eine Million nach oben verändert. Mehr als 40 Millionen der genannten Kraftfahrzeuge sind Pkw. Wie sollte man den Kauf eines Autos in der Praxis aber am besten finanzieren?

Diese Frage steht sowohl für den gewerblichen Kunden als auch die privaten Haushalte im Vordergrund. Entweder wird das Auto aus der Haushaltskasse gestemmt, was heute nur ein Bruchteil der Käufer realisiert. Sehr verbreitet sind inzwischen Finanzierungen. Diese können ganz unterschiedliche Form haben. Eine mögliche Option ist der klassische Autokredit. Abgeschlossen beim Händler, haben Autokäufer so alles schön aus einer Hand. Wer sparen will, kann einen Schritt weiter gehen und greift zu Finanzierung durch eine herstellerunabhängige Bank. Im gewerblichen Rahmen haben diese Formen der Finanzierung allerdings einige Nachteile, etwa in Bezug auf die Bilanzierung des Fahrzeugs. Ein Grund, warum sich hier das Leasing als Variante der Kfz-Finanzierung durchgesetzt hat.

Kreditzinsen aktuell so niedrig wie selten

Wenn viele Haushalte ihr Auto nicht bar zahlen, sondern finanzieren, hängt die Entscheidung schnell an den Kreditzinsen. In der Praxis haben Verbraucher und gewerbliche Kunden aktuell recht gute Karten. Der Grund sind die niedrigen Zinsen. Schuld an dieser Entwicklung ist die Politik der EZB (Europäische Zentralbank). Durch deren Leitzinssenkungen hat sie zwar Sparzinsen auf Talfahrt geschickt. Die Kreditzinsen haben sich allerdings auf sehr ähnliche Weise entwickelt.

In den letzten Jahren sind die Zinsen für Kredite sehr deutlich gesunken und haben, in fast allen Bereichen, ein sehr niedriges Niveau erreicht. Die damit verbundenen geringen Finanzierungskosten für ein Auto machen Kredit und Leasing (auf den ersten Blick) attraktiv. Aber: Gewerbliche Käufer und Haushalte müssen sehr genau hinschauen. In der Praxis sprechen nicht alle Argumente für das Leasing oder der Autokredit. Es kommt auf die individuellen Rahmenbedingungen an.

Leasing vs. Autokredit: Der Vergleich

Im Jahr 2017 erreichte die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland die Marke von 3,44 Millionen. Für Autohersteller ein Erfolg. Gefreut wird die Entwicklung auch Banken haben. Schließlich haben im Rahmen der GfK Marktstudie 2017 mehr als 68 Prozent der Umfrageteilnehmer die Vorstellung geäußert, ihr Auto mit einem Kredit finanzieren zu wollen. Leasing hat, gerade im Privatkundensektor, tendenziell eine eher geringe Bedeutung. Was ist schuld an dieser Entwicklung?

Autokredit: Hersteller- und Hausbank

Im Rahmen der Kreditfinanzierung eines Autokaufs haben sich zwei Varianten etabliert: Der Kredit durch eine Herstellerbank und die Kfz-Finanzierung eines herstellerunabhängigen Instituts. Klassische Autokredite sehen so aus, dass die Bank den Kaufbetrag vorstreckt, sich am finanzierten Auto ein Verwertungsrecht (Sicherungsübereignung) sichert und der Kreditnehmer das Darlehen in der vereinbarten Laufzeit zurückzahlt.

Warum überhaupt diese Unterscheidung? Ein Autokredit bei einer Herstellerbank kann drei Vorteile haben:

  • für Modelle 0-Prozent Finanzierung
  • Kombination mit gratis Serviceleistungen
  • Abschluss günstiger Versicherungslösung.

Aber: Käufer geben mit dieser Finanzierung einen entscheidenden Aspekt aus der Hand. Händler sind in der Regel nicht mehr zu so großen Zugeständnissen beim Preis bereit. Auf der anderen Seite ist der Autokredit einer herstellerunabhängigen Bank teils beim Zins etwas teuer, höhere Preisabschläge können die Zinsdifferenz aber überkompensieren.

Leasing: Restwert- und Kilometervariante

Leasing ist eine Finanzierungsform für Autos, die gerade von gewerblichen Kunden gern in Anspruch genommen wird. Der Grund sind die besonderen Rahmenbedingungen. Beim Kauf eines Pkw macht die gezahlte Kreditrate das Fahrzeug Stück für Stück zum Eigentum des Kreditnehmers. Beim Leasing wird hingegen nur für die Nutzung bezahlt. Sprich: Über die gesamte Laufzeit bleibt das geleaste Fahrzeug im Besitz des Leasinggebers.

Damit ergeben sich gewisse Vorteile für alle Zielgruppen, die kein Interesse am Besitz des Fahrzeugs haben. Es gibt einen weiteren Vorteil. Während beim Autokredit als klassische Finanzierung das Fahrzeug meist sechs oder sieben Jahre gehalten wird, erstreckt sich ein Pkw-Leasing oft zwischen 36 Monate bis 48 Monate. Ein Zeitfenster, indem mit größeren Reparaturen, etwa an Bremsen oder Motor (je nach Laufleistung), noch nicht zu rechnen ist. Etabliert haben sich für das Leasing zwei unterschiedliche Varianten:

  • Kilometerleasing: Hierbei einigen sich Leasingnehmer und Leasinggeber auf eine Laufleistung. Überschreitet das Fahrzeug am Ende der Laufzeit die festgelegten Kilometer, muss der Leasingnehmer die Differenz „ersetzen“, sprich pro Kilometer wird ein Geldbetrag fällig. Für den Fall der Minderkilometer kann mit einer Vergütung gerechnet werden.
  • Restwertleasing: In diesem Fall wird ein Restwert definiert, den das Fahrzeug nach Ablauf der Laufzeit tragen soll. Auch hier entsteht ein finanzielles Risiko für den Leasingnehmer, da sich der Markt anders, und damit auch der real zu erzielende Verkaufswert am Ende der Laufzeit des Leasings, entwickeln kann.

Vor- und Nachteile der Kfz-Finanzierung: Ein Überblick

Die genannten Finanzierungsarten haben jeweils Stärken und Schwächen. Im Fall einer Kreditfinanzierung erhält der Kreditnehmer mit jeder Rate etwas Eigentum am Fahrzeug. Beim Leasing sind die monatlichen Raten vergleichsweise günstig.

Gibt es weitere Vor- und Nachteile?

Vorteile Kfz-Finanzierung per Kredit:

o  Fahrzeug geht in Besitz Kreditnehmer über

o  Laufzeit flexibel anpassbar

o  Kredit ohne Herstellerbank erlaubt Preisverhandlungen

Nachteile Kfz-Finanzierung per Kredit:

o  Bank schreibt Kaskoversicherung vor

o  Kreditangebote mitunter schwer vergleichbar

o  Rate im Vergleich zum Leasing meist höher


Was spricht für das Leasing?

Vorteile Kfz-Finanzierung per Leasing:

o  Rate sehr niedrig

o  Laufzeit endet nach wenigen Jahren

o  Leasingnehmer fahren neue Modelle


Nachteile Kfz-Finanzierung per Leasing:

o  Ausstieg aus Vertrag im Regelfall eher schwierig

o  Risiko beim Restwertleasing trägt Leasingnehmer

o  Leasing verpflichtet in der Regel zur Vollkasko

Ein sehr wichtiger Aspekt betrifft beim Leasing im Übrigen das Andienungsrecht des Leasinggebers. Dieser kann am Ende der Laufzeit entscheiden, ob der Leasingnehmer oder ein Dritte das Fahrzeug kauft. Hier kann der Leasingnehmer, wenn er einen höheren Restwert zu zahlen hat, benachteiligt werden.

Wann lohnt sich Leasing mehr?

Leasing macht sich, wenn es zu einem direkten Vergleich mit dem Kauf auf Raten kommt, für den Privathaushalt eher in Einzelfällen bezahlt. Dies ist immer dann der Fall, wenn die eigene finanzielle Situation nur kleine monatliche Raten zulässt. Profiteure des Leasings sind im Regelfall vor allem gewerbliche Kunden, also:

  • Selbständige
  • Freiberufler
  • Unternehmen.

Der Grund: Ein Fahrzeug muss, wenn es erworben wird, nach den Regelungen der Finanzämter abgeschrieben werden. Heißt am Ende, dass die Ausgabe im Jahr der Anschaffung fällig wird, das Auto macht sich aber erst in den Folgejahren als Betriebsausgabe bemerkbar.

Leasing ist hier vollkommen anders positioniert. Da der Leasingnehmer ausschließlich für die Nutzung des Fahrzeugs bezahlt, aber kein Besitzwechsel erfolgt, handelt es sich bei der Leasingrate um eine Betriebsausgabe, die sofort gelten gemacht werden kann. Das sorgt für zum Teil deutliche Steuerersparnisse.

Tipp: Sonderzahlungen für das Leasingfahrzeug (etwa eine Anzahlung) ist ebenfalls eine Betriebsausgabe. Durch diese Option bieten sich Gestaltungsmöglichkeiten für betreffende Steuerjahre. Das Ganze lohnt sich vor allem in besonders guten Jahren, in denen eine hohe Steuerbelastung zu erwarten wäre.

Fazit: Leasing für Haushalte uninteressant

Beim Thema Kfz-Finanzierung konkurrieren zwei Varianten: Das Leasing und der Autokredit. In beiden Fällen gehen Käufer eine finanzielle Verpflichtung ein. Allerdings rechnet das Leasing für den privaten Nutzer eher selten, zumindest wenn es mit dem Autokredit verglichen wird. Hier kommt es allerdings auch sehr auf die Angebote an, denn wer einen günstigen Leasingvertrag findet, verzichtet auf das Eigentum am Fahrzeug und freut sich über niedrigere Raten. Nutzen hat es allerdings für gewerbliche Käufer. Der Grund ist die Möglichkeit, mithilfe des Leasings lästige Abschreibungen zu umgehen und die Raten sofort als Betriebsausgabe zu aktivieren. Aber: Auch Selbständige und Unternehmen müssen sich, in Bezug auf eine Entscheidung, im Klaren darüber sein, was beim Leasing beachtet werden sollte.

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